Können ESN & More Nutrition den Verlust dieses Mannes verkraften?

Datum: 16.03.2025

Ist Rene Büssow der Ursprung des Erfolgs von More Nutrition und ESN?

Diese Frage stelle ich mir nachdem ich den ehemaligen Produktentwickler und kurzzeitigen CEO der Quality Group über 1 ½ Stunden im neusten Supp Entwickler Talk lauschen konnte. Rene Büssow war nämlich der Hauptverantwortliche der Entwicklung der heutigen Designer Bars und zudem maßgeblich an nahezu allen anderen Supplements im Sortiment beteiligt.

Durch das enorme Wachstum von More Nutrition und ESN, das auch intern für ein völlig anderes Arbeitsumfeld hervorgerufen hat, ist Rene heute allerdings kein Teil mehr dieser Marken. Stattdessen ist er jetzt zu fayn. gewechselt und zieht da sein eigenes Ding durch. Im Video spricht Rene über seine damalige Zeit bei vor allem ESN, gibt tiefe Einblicke in seine Produktentwicklung und verrät, warum er jetzt lieber für fayn. arbeitet und dort quasi nochmal von null beginnt.

Transkript:

Rene Büssow: „Ich habe die Tasty Bars entwickelt damals und dann wollte ich die auf der großen Anlage produzieren, aber das ging total in die Hose. Es hat null funktioniert, die ganze Anlage war verklebt.“

Es ist mal wieder Zeit für die ganz besonderen Einblicke in die Produktentwicklung wie es sie eben nur im Supp Entwickler Talk gibt. Dieses Mal zu Gast war Rene Büssow, heute CEO und Produktentwickler von fayn., davor aber auch viele Jahre Produktentwickler und sogar kurzzeitig ebenfalls CEO bei der Quality Group, sprich bei More Nutrition und ESN.

Erstmals überhaupt hat Rene Einblicke in seine Arbeit gegeben, sprach darüber wie die Entwicklung damals bei ESN ablief, auch welche Rolle das Team Andro Forum dabei spielte, und weshalb er die Firma verlassen und jetzt mit fayn. quasi nochmal ganz von Neuem hat. 

Um Rene etwas besser verstehen zu können, sollte man wissen, dass sich ESN in den letzten Jahren stark verändert hat. Die Firma ist heute viel viel größer als sie es jemals zuvor vor und entsprechend hat sich da auch die Arbeit stark verändert. Damals ist ESN ja noch aus dem Team Andro Forum heraus entstanden und entsprechend wichtig war auch dessen Rolle bei der Produktentwicklung.

Rene Büssow: „Damals war es wirklich so, Team Andro Forum: „Könnt ihr bitte ein Peanutbutter Cookie Dough machen? Zum Beispiel vom Designer Whey“. Und da das Produkt ja bereits bestand und die Hauptrohstoffe da waren, die Süßungsmittel sich nicht verändern etc. war das damals einfach eine Aromaänderung. Heute ist das etwas anders.“

Heißt also im Klartext, man hat sich aus dem Forum die Inspiration geholt und dann einfach angefangen die Produkte zu entwickeln. Und das halt in einem sehr kleinen Kreis, wo auch noch jede Stimme entsprechendes Gewicht haben konnte.

Rene Büssow: „Du musst dir vorstellen, Cardia Yasar, Murat Yasar, ich und noch andere Personen, wir saßen zusammen, die Büros waren getrennt durch Glasscheiben, wir waren aber zusammen. Es war ein Team und wir haben durch die Glasscheiben kommuniziert. Wir haben jedes Produkt zusammen getestet und jeder hat sein ja oder nein gegeben, jeder hatte sein Stimmrecht.“

Das Umfeld war also völlig anders, zum einen weil noch ganz andere Menschen am Werk waren und zum anderen, weil es auch einfach nicht so viele waren im Vergleich zu heute. Dadurch konnte man aber natürlich noch mehr seine eigene Vision umsetzen und auch Dinge wagen, selbst wenn nicht immer alles auf Anhieb gelungen ist.

Rene Büssow: „Wir hatten den ersten Extrusionsriegel in Europa. Du entscheidest da bei der Riegelproduktion zwischen zwei Varianten. Einmal die Extrusion und einmal den Slapline Bar. Eine Slapline Bar formt den Riegel so wie einen Barbells Riegel, Mars, Snickers… Du hast unten den Teig, oben drauf den Karamell oder ein Frucht-Layer, eine Schokolade, Berieslung und wieder Schokolade und wir wollten aber schon etwas anders machen, weil damals waren die Proteinriegel Marken mit Power System, den Eigenmarken von DM und Rossman sehr sehr gefüllt. 

Und da bin ich auf diese Co-Extrusion gestoßen mit einer Füllung innen drin und das war Fluch und Segen zugleich. Also es gibt keine Proteinriegel Variante, die so schwer, kompliziert, anspruchsvoll und auch teuer ist.

Ich habe die Tasty Bars entwickelt, wir waren drei Wochen vor der FIBO und dann wollte ich die im Großmaßstab auf der Anlage produzieren und es ging total in die Hose. Es hat null funktioniert. Die ganze Anlage war verklebt und ich musste innerhalb von zwei Wochen dann inkl. Lieferung nach Köln die ganzen Riegel umentwickeln und neuentwickeln.“

Und ich glaube, Rene wird mir nicht widersprechen, wenn ich sage, dass es genau diese Erfahrungen sind, die die Gruppe damals zusammengeschweißt und das Arbeitsumfeld auch irgendwie ausgezeichnet haben. Zumindest hört man das aus seinen Beweggründen raus, warum er heute lieber für fayn. und nicht mehr für die Quality Group arbeiten möchte.

Rene Büssow: „Klar wir haben Expertise und Knowhow, wir haben das Marketing von TEVEO hinten dran als sehr neutrale Brand mit gutem Ansehen ohne irgendwelche Skandale und ich hatte nochmal Lust etwas Neues zu machen, aber in einem sehr familiären und ruhigen Umfeld mit dem nötigen Pressure.“

Und so ist dann ein weiterer Teil vom damaligen ESN abgewandert, um jetzt sein sein eigenes Ding zu machen. Und das tatsächlich mit einer Vision, die in etwa ein Hybrid aus ESN und More darstellt.

Rene Büssow: „Wir wollen dem Kunden das bestmögliche an Produktzusammensetzung bieten mit dem bestmöglichen Geschmack und das als Kompromiss. Für unsere Kunden ist es okay, wenn das Produkt ein, zwei Gramm weniger Protein hat, aber dafür den besseren Geschmack.

Das ist eben auch der Grund, warum wir keinen EVOBAR mit seiner Performance Richtung und den bis zu 23 g Protein auf Basis von Milchprotein und Aminosäuren haben. Für mich steht der Geschmack immer an vorderster Stelle, aber trotzdem halt noch mit einem Mindestgehalt an Protein, weil du kannst auch einen Proteinriegel noch besser schmeckend machen mit 10 g Protein pro Riegel, aber wir versuchen uns da schon einzuordnen. Also bestmöglicher Geschmack mit dem höchsten Proteinwert, der dahingehend möglich ist.“

Daher auch der Slogan von fayn. taste the difference. 

Und glaubt mir, wenn ihr den Podcast hört, dann merkt ihr auch, dass Rene genau bei dem Punkt richtig aufgeht und dort auch seine größten Stärken sieht.

Rene Büssow:Alles, was mit Geschmack zu tun hat, weil da setze ich dieses eigene Labor einfach zu 100% durch. 

Ich würde sagen gerade im Geschmackssektor habe ich ein riesen Knowhow, weil natürlich auch die letzten 10, 11, 12 Jahre in dem Sektor sehr prägend waren. Wenn Du mal 10 Jahre zurückgehst, was sich in dem Sektor alles geändert hat, und wenn man die Zeit durchmacht und dabei eines der größten Unternehmen Europas aufbaut und die Produkte sich durchsetzen, dann würde ich da schon unsere größte Expertise sehen. 

Vor allem haben wir als neue Marke auch einen gewissen Luxus. Es sind ja viele Geschmäcker, die ich entwickelt habe bei ESN und More Nutrition noch auf dem Markt, aber Geschmäcker entwickeln sich eben weiter. Das Süße-Empfinden, die Natürlichkeit der Produkte vom Aromaprofil usw. Und natürlich versuchen wir das alles miteinfließen zu lassen. Für uns ist es auch deutlich einfacher noch Kundenmeinungen schnell einfließen zu lassen, sodass es auch passieren kann, dass ein Proteinpulver oder ein Riegel von Produktion zu Produktion nochmal etwas verändert wird, wenn es dann doch ein bisschen zu süß geraten ist oder das Aromaprofil nicht passt.“

Ich versuche ja in meinen Videos immer klar zu machen, dass Supplements wie Whey oder auch ein Proteinriegel einen Kompromiss aus vor allem drei Dingen darstellen, die miteinander in Einklang gebracht werden. Gemeint sind die Performance, der Preis und der Geschmack. 

Und die erfolgreichsten Firmen sind die, die eine Sache davon eben ganz besonders gut machen. Bei EVO wäre das sicherlich die Performance, ein Bodylab ganz klar der Preis und Rene mit fayn eben beim Geschmack. 

Rene Büssow: „Genau und der hat sich am Ende auch nicht durchgesetzt, obwohl man immer sagt, man will den softesten Proteinriegel, aber das ist falsch. Man möchte die richtige Textur, die richtige Härte, die richtige Teigstruktur über das gewisse MHD, das man dem Proteinriegel gibt, mit dem bestmöglichen Geschmack.

Dazu zählen dann noch so Sachen wie Karamell-Layer, Creme-Füllung, die Konsistenz oben drauf, mitten drin, Berieslung, Schokoladenqualität und so weiter. Ein Proteinriegel ist für mich ein Geschmackserlebnis und so versuchen wir das auch über alle Geschmacksrichtungen durchzusetzen

Ich könnte einen Proteinriegel sehr sehr billig produzieren. Da habe ich keine Cremefüllung und sehr billige Proteine drin, sondern einfach einen aromatisierten Proteinstrang und Schokolade drüber. Aber jetzt zum Beispiel bei Hazelnut Nougat als neuster Riegel setzen wir sehr hochwertige Rohstoffe ein, dass du die Teigstruktur auf das MHD überhaupt erst erreichen kannst. Dann haben wir eine sehr sehr gute Proteincreme enthalten, die wie ich gehört habe mit Nutella verglichen wird, was mich auch sehr freut, selbst wenn ich bei solchen Vergleichen immer vorsichtig bin. In die Füllcreme haben wir dann auch nicht nur Haselnusspaste mit eingearbeitet, sondern auch Haselnussstücke, was vielleicht nur 2, 3% der Kunden erkennen, aber das sind eben diese kleinen Sachen. 

Dann berieseln wir den Riegel mit sehr vielen gerösteten Haselnüssen, die bei einem gewissen Röstgrat geröstet wurden, damit sie das beste Aromaprofil haben. Eben Nutella, Ferrero like.

Die Füllcreme, wie fest macht man die? Der Haselnuss Nougat Riegel ist der am schwierigsten zu produzierende Riegel, weil die Füllcreme so weich ist. Du arbeitest bei der Extrusion immer gegen den Widerstand von der Proteinmasse außen. Es ist deutlich einfacher, zwei gleich feste Massen bei einer Extrusion zu vereinen wie eine sehr Weiche und eine Feste.“

Also ihr merkt, Rene ist dann spätestens bei der Thematik voll in seinem Element und auch kaum mehr zu bremsen. Es ist aber eben auch genau diese Leidenschaft für den Geschmack, die man bei ESN und More sicherlich am meisten vermissen wird, wenn man an ihn als Arbeitskraft zurückdenkt.

Ob man jetzt aus diesem Kompromiss zwischen Preis, Performance und Geschmack ebenfalls so sehr auf den Geschmack geht wie Rene, liegt natürlich immer im Auge des Betrachters, aber in der Praxis sind es tatsächlich dann genau solche Menschen, die die Branche als Ganzes am ehesten weiterbringen. 

Und mir geht da ehrlich gesagt schon sehr das Herz auf, wenn jemand in meinem Podcast mehr als 1 ½ Stunden so über dieses Thema berichten kann. 

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