Warum sehen diese Dosen exakt so aus? | Design-Analyse 🧐
Was denken sich die Supplement Hersteller eigentlich, wenn sie ihre Designs entwerfen? Ist es tatsächlich einfach nur Geschmackssache?
Weit gefehlt, denn hinter den Designs der Supplement Brands stecken in der Regel viele Stunden Arbeit, Markt- und Wettbewerbsanalysen. Alles mit dem Ziel, euch die perfekte Verpackung zu bieten, aber natürlich auch den eigenen Umsatz zu steigern.
Taucht ein in die unfassbar spannende Welt der Produktdesigns!
Transkript:
Michi: „Schade, dass ich die Namen nicht nennen kann, weil da drüben stehen ganz viele Produkte, die ich immer teste. Ich kaufe ganz viele Mitbewerberprodukte und muss manchmal echt sagen: „Holla, die Waldfee, wer hat das Design gemacht?“ Also im negativen Sinne. Schade, dass ich sie nicht nennen kann, aber da frage ich mich wirklich: Wer hat das verbrochen?
Eines der Dinge, die ich am Supp Entwickler Talk am meisten mag, ist, dass man dort die Perspektive der Supplement-Hersteller einnimmt.

Und bei ihnen ist das Design einer Dose nicht einfach nur Geschmackssache, sondern dahinter stecken oft Monate an Arbeit, Marktanalysen und strategische Entscheidungen. Und genau weil dieses Thema deutlich mehr hergibt, als man vielleicht vermuten würde, werfen wir heute mal einen genaueren Blick darauf. Warum sehen diese Dosen exakt so aus und nicht anders?
Stefan: „Genau, also wir haben dieses Jahr das Rebranding durchgezogen und dabei angefangen unser Branding bzw. unsere Logos nochmal zu überarbeiten.
Die Intention dahinter – das muss man ehrlich einfach sagen – war, dass wir überlegt haben, was können wir tun, dass Neosupps besser gesehen wird.
Du musst es dir so vorstellen, dass unser altes Design damals so ausgelegt war, dass das Produkt im Vordergrund ist. Nehmen wir als Beispiel das Vision Whey. Da war der Produktname Vision Whey ganz groß auf die Dose zu sehen und klein das Neosupps Logo. Jetzt haben wir es aber genau andersrum gemacht, sodass das Neosupps Logo hervorgehoben wird und größer ist als der Produktname.

Das hat auch den Hintergrund, dass als wir damals gestartet haben, waren die Leute nicht ganz so aufgeklärt. Also Whey Protein war noch nicht so Mainstream, aber jetzt kannst du das Whey Protein in jedem LEH oder Drogerie frei kaufen und hast die Wahl zwischen verschiedenen Herstellern. Und da war uns wichtig, dass Neosupps als Marke einen Wiedererkennungswert hat. Sie muss gesehen werden und deshalb haben wir uns überlegt das Logo größer hervorzuheben.“
Das war Stefan, der Produktentwickler von Neosupps. Er hat dieses Jahr zur FIBO ein komplett neues Dosendesign präsentiert, um – wie er selbst sagt – die Wahrnehmung der Marke Neosupps weiter zu stärken. Und genau das ist auch der Gedanke bei vielen anderen Brands und deren Designs.
Mittlerweile gibt es einfach so viele Anbieter da draußen, dass die Bedeutung einer Marke immer größer wird. Aber alleine damit hört es natürlich noch nicht auf.
Stefan: „Wir haben mal eine Marktanalyse gemacht und unsere Zielgruppe bewegt sich von 28 bis 35 Jahre. Da ist die meiste Kaufkraft bei uns. Das sieht man auf jeden Fall bei den ganzen Statistiken und Co.
Die Produkte, die wir entwickeln, haben die Wurzeln im Kraftsport oder Kampfsport und diese DNA wollen wir immer noch beibehalten. Deswegen sind wir auch beim Packaging immer noch beim Schwarzen geblieben, weil das diesen Fitnessbereich symbolisiert.
Man sieht ja mittlerweile sehr viele Firmen mit einer weißen Dose und sagen, das ist jetzt clean und Mainstream. Aber dieser schwarze Bereich könnte da eventuell Leute abschrecken, weil die Farbe zu sehr in Richtung Bodybuilding geht. Aber wir vergessen nicht, dass wir unsere Wurzeln im Kraftsport haben.“
Die Farbe selbst ist also ebenfalls ein elementares Thema und vermittelt uns unterbewusst bereits ein Gefühl dafür, ob eine Marke eher performanceorientiert, medizinisch oder verspielt daherkommt. Bodylab hat da ja auch schon einiges durchgemacht. Heute verbindet man die Marke ja ganz klar mit diesem hellblau, das war aber noch nicht immer der Fall.
Michi: „Wir hatten ja mal schwarz, dann wir hatten wir weiß. Ich zeige es nochmal.

Das war so bisschen das Problem, wenn du so ein Design hast, dann bist du schnell in dem Bereich gut und günstig, Eigenmarke, unten in den Regalen, weißer Farbeimer. Und das war der Punkt, wo wir gesagt hatten, wir müssen weg von dem Weißen und müssen zu so einem Design hin. Blau, klare Linie, das Logo. Und das war schon ganz spannend eigentlich.
Ich glaube, dass wir schwarz hatten, dann weiß und jetzt ist eigentlich nur der Prozess gewesen, der sich abgespielt hat. Es hätte jetzt wahrscheinlich auch rot werden können am Ende, aber wahrscheinlich war BSN damals noch zu stark, wo wir das blau entwickelt haben.“
Ihr merkt also, es gibt bei den Farben dann auch nicht diese eine Lösung, die für alle Marken gleichermaßen funktioniert. Bodylab, das traditionell viel mit niedrigen Preisen wirbt, wurde durch die weiße Gestaltung teilweise eben auch als einfach billig wahrgenommen. Und wenn man nicht unbedingt wie das Pendant zu Ja! von REWE wahrgenommen werden möchte, muss eben auch hier gehandelt werden.

Man muss bei solchen Veränderungen aber immer mit Bedacht vorgehen, denn selbst eine vermeintlich einfache Änderung wie die Farbe kann schnell nach hinten losgehen.
Michi: „Es gibt auch zum Beispiel Marken, die waren vor 10, 15 Jahren, mega hot. Da würde ich heutzutage auch sagen, dass deren Design oder auch die Corporate Identity, das Gesicht etc. vor 10, 15 Jahren viel stärker war als heute. Das war der größte Fehler, dass die ihr Design verändert haben. Jetzt sind sie in so einem schwarzen Design geendet, wo sie eigentlich keinen Wiedererkennungswert mehr haben.“
Ihr könnt ja mal in den Kommentaren spekulieren, welche Marke Michi damit gemeint haben könnte.
Fakt ist auf jeden Fall, dass durch das Design auch sehr viel über den Wert und auch Wiedererkennungswert der Marke kommuniziert wird. Deswegen ist das auch Menschen wie Simon von BODY IP so wichtig.
Simon: „Ich bin absoluter Design-Fetischist, was die Haptik und klare Linien angeht. Ihr glaubt nicht, wie viel Aufwand ich für die Papierauswahl investiert habe, damit es dieses Seiden-Matt-Gefühl bekommt, damit die Dinge erhaben und leicht glänzend sind. Der Geschmack musste rauskommen und glänzen.

Die Höhe konnten wir erst nicht abfüllen, aber ich sagte: „Das muss gehen.“ Dann mussten die Maschinen wirklich unfassbar aufwendig überarbeitet werden…
Also, ich habe wahrscheinlich Monate verbracht, das perfekte Papier auszuwählen. Ich glaube, den Leuten ist das dann im Endeffekt nicht so wichtig wie mir, aber um das zu erklären: Als ich jung war, fand ich Apple Design wunderschön. Dieses aus einem Guss. Ich mag die neuen Range Rovers, weil sie einfach wie eins aussehen. Wenn das alles so clean in sich ist. Ich mag deswegen auch, wenn die Dosen komplett schließen, dass das eben aussieht wie ein Zylinder. Wenn das praktisch übergeht in die Dose, deswegen wollte ich es auch matte Dose haben.“
Michi: „Ja, so matt und glänzend macht dich dann fertig, ne? Wenn du jetzt sagst, hast die Decke matt, die Dose glänzend, das Papier wieder anders, da drehst du durch wahrscheinlich, oder?
Simon: „Wir hatten einmal eine Lieferung bei einem Produkt und genau das haben die gemacht. Die haben uns wirklich dann einen geriffelten Deckel geschickt. Also wirklich Tausende von Dingen und die habe ich alle zurückgehen lassen.“
Das Design einer Dose umfasst also nicht nur die Anordnung der Elemente oder die Farbwahl, sondern auch die Haptik und die Frage, wie sich das Produkt im Alltag anfühlt.
Aber auch da spielt es natürlich eine wesentliche Rolle, für welche Zielgruppe man letzten Endes das Produkt entwirft und wie die damit umgehen werden.
Simon: „Und warum? Weil ich glaube, dass wir Kunden mit dem hohen Anspruch haben, die sich das auch in die Küche stellen wollen.
Unser typisches Alter ist älter als bei Neosupps. Also eher 35 bis 45, 50 vielleicht. Ausreißer zu allen Seiten natürlich, aber das sind dann auch Leute, auch zunehmend mehr Frauen, die dann auch sagen, durch das Design stelle ich mir das gerne in die Küche.

Das sieht nicht aus wie Anabolika oder ähnliches. Und ja, ich bin da extremer Fetischist, was das angeht.“
Je tiefer man in dieses Thema einsteigt, desto mehr fällt einem auch auf, welche Marken ihre Arbeit wirklich gut machen und welche eher nicht.
Oder anders ausgedrückt: Welche Marken selbst nicht so genau wissen, wo sie mit ihrem Design eigentlich hinwollen.
Simon: „Ich glaube sogar, dass einige die groß waren aufgrund der falschen Positionierung oder des Verlustes der klaren Positionierung massiv gelitten haben. Ich nenne keine Namen, aber es gab eine Marke, die war immer bekannt dafür, die günstigsten zu sein. Und sobald sie dann sagten: „Jetzt haben wir auch teure Produkte! Jetzt haben wir noch eine schwarze Dose dazu, jetzt haben wir noch das und so weiter.“, verloren sie praktisch ihre Positionierung. Ich finde dadurch wird das Ganze so verwässert und man weiß nicht mehr genau, warum soll ich jetzt genau zu denen greifen?“
Michi: „Aber die eine Marke, die finde ich interessant. Auf der Webseite haben die jetzt glaube ich sechs verschiedene Designs, wo du wirklich sagst: „Die eine Dose ist schwarz, die andere ist weiß, dann gibt es eine Braune, dann gibt es dies, dann gibt es jenes…“.
Und lustigerweise habe ich das auch beobachtet. Die haben bestimmt immer wieder neue Designer angeheuert, die sich neu verwirklichen wollten.
Aber da gibt es auch in Spanien so eine Marke, ohne Namen zu nennen. Da gehst du auf die Webseite und als User weiß ich eigentlich gar nicht, wie ich auf dieser Webseite zurechtkommen soll. Die haben, glaube ich, sechs verschiedene Whey-Proteine. Und die haben auch alles. Schwarz, weiß, grau, braun, grün. Grün soll dann vegan sein, ah ne, grün gibt es auf einmal auch beim Whey. Also was ist denn da los?
Total interessant! Also wo ich mich frage, wer da Inhaber der Firma ist. Der muss doch echt sagen: „Leute, wir müssen noch eine stringentere Linie hier fahren. Das kann ja gar nicht sein.“. Also ich finde das faszinierend so was zu sehen.“
Design ist also viel mehr als einfach nur, ob einem etwas gefällt oder nicht. Dahinter steckt vielmehr die Frage, wie eine Marke von ihren Kunden wahrgenommen werden möchte.

Und es ist tatsächlich eine Kunst und Wissenschaft für sich, da eine stringente Linie reinzubringen, die auch wirklich mit der Zielgruppe harmoniert.
Ich finde das Thema auf jeden Fall unglaublich spannend und hoffe, dass ich mit diesem Video einen Teil dieser Begeisterung transportieren konnte. Denn auch Supplements sind wesentlich mehr als nur die Nährwerte und Inhaltsstoffe…
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