FIBO 2026: Die Abrechnung der Aussteller (Insider-Talk)

Datum: 25.04.2026

Die FIBO 2026 mal aus einer anderen Perspektive. Ich hatte in meinem Supp Entwickler Talk Podcast den Alex Friedrich von HPN und Michi Bovelet von Bodylab24 zu Gast und gemeinsam haben wir unsere Gedanken zur Messe geteilt. Sie aus Sicht einer Supplement Marke, ich aus Sicht eines Besuchers.

Wie haben wir die Messe erlebt?

Transkript:

Michi: „Und ich hatte auf der Kehrseite der Medaille am Samstag & Sonntag auch solche penetranten Schnorrer da.“ 

Das war Michi von Bodylab24 in der neusten Folge meines Supp Entwickler Talks. Thema war die FIBO 2026, aber halt nicht aus Sicht der Konsumenten, die sich – keine Ahnung – über irgendwelche schlechten Gerüche aufgeregt haben, sondern eben aus Sicht der Aussteller und die betrachten das Ganze nochmal aus einer komplett anderen Brille. 

Was also die FIBO 2026 Gutes geleistet hat und womit sie sich möglicherweise trotz Besucherrekorde ihr eigenes Grab schaufelt, das besprechen wir in diesem Video!

Um das Video erstmal mit etwas Positivem zu beginnen: Ich persönlich als jemand, der die FIBO als normaler Konsument erlebt hat, hatte eine wirklich gute Zeit auf der Messe. Und ich werde euch auch sagen warum, weil ich habe das Gefühl, dass die Leute, die im Nachhinein eher enttäuscht waren, die Messe einfach von Grund auf falsch angegangen sind. 

Schon am Donnerstag Abend, wo man sich denkt, dass die Messe ja eigentlich nur für Fachbesucher offen stand, gab es erste Videos auf TikTok mit Anleitungen, wie man vorgehen solle, um so viele Goodies wie nur irgendwie möglich abzustauben. Und da liegt der Hund eigentlich schon begraben.

Michi: „Ich sage jetzt mal ganz ehrlich, wenn sich jemand sechs Mal in der Schlange anstellt und sechs Mal 40 Minuten wartet, dann sage ich, hey mega von dir, aber du hast 240 Minuten, vier Stunden deiner Lebenszeit in einer Bodylab-Schlange gestanden, um vielleicht ein Zero-Bombset, ein Reis-Potein abzugreifen.“

Geil oder? Wenn also der Inhalt deines Messebesuchs genau darin bestand, dann wundert es mich nicht, wenn du am Ende enttäuscht da rausgehst. Klar, so ein Verhalten wird natürlich auch von den Herstellern provoziert, weil die natürlich mit solchen Goodie Drops die Leute an den Stand ziehen wollen, aber die Konsequenz ist halt, dass du in einer Menschenmasse mit 100en von anderen Leuten stehst, um dich dann um einen Proteinriegel oder eine Probe zu prügeln. 

Eigentlich richtig dumm, wenn man so darüber nachdenkt, aber dieses Problem ist hausgemacht!

Michi: „20.000 Besucher mehr, also das heißt es geht sozusagen weiter aufwärts. Aber wenn wir mal ganz kurz über den Preis diskutieren: Ich glaube letztes Jahr waren die Preise bei 36, 38 Euro. Dieses Jahr sind 20.000 Leute mehr gekommen bei Eintrittspreisen die nochmal 14, 15, 16 Euro höher waren. 

Ich verstehe auch, wenn jetzt ein Kunde am Ende – und da versuchen wir mal kurz einen Bogen zu finden zum Anfang des Gesprächs, wo ich gesagt habe: „Mein Gott, es sind halt auch wahnsinnig viele in Anführungszeichen Schnorrer unterwegs, die gerne Samples mitnehmen wollen.“ – Wenn du 52, 55 Euro für eine Karte ausgibst, kann ich auf der anderen Seite auch jeden verstehen, der das Maximum an Ausbeute mitnehmen möchte, weil es fühlt sich ja immer gut an, man kriegt was für sein Geld.“

Viele Menschen gehen also mit dem Ziel da hin, so viel abzugreifen, wie nur irgendwie möglich und die Hersteller reagieren entsprechend, um sich dieses Verhalten zunutze zu machen.

Auch ein Bodylab Stand bestand dieses Jahr quasi nur aus einem Glücksrad, wo dann Sachen verschenkt wurden.  Also Michi selbst hat sich diesem Klientel schon komplett gebeugt, weil er mit seinem klassischen Verkaufsstandkonzept vor zwei Jahren voll auf die Schnauze gefallen ist.

Michi: „Das ist auch meine Kritik des Ganzen, dass die Messe immer mehr zu so einer Art Free Giveaway Messe mutiert ist. Also ich glaube, wenn wir uns jetzt dahin stellen würden mit Bodylab und würden für 4,99 Euro 500 Gramm Kreatin verkaufen. Ich schwöre euch in die Tasche, wir verkaufen keine 400 Dosen in den zwei Tagen. Ich glaube, die Leute kaufen da nicht. Der Kunde kauft nicht. Auch wenn du denen das beste Angebot machst.“

Michi sieht das natürlich aus Sicht eines Herstellers, der aus einer solchen Messe auch irgendwo einen Mehrwert ziehen möchte, aber wenn ihr mich fragt, sind solche Verkaufsmessen einfach aus der Zeit gefallen. Warum sollte man sich das antun und den ganzen Tag mit zwei fetten Tüten voller Eiweißpulver herumlaufen, wenn man das Ganze auch online bestellen kann? Das macht ja kein Mensch. 

Der Grund, warum ich dieses Jahr dennoch eine gute Zeit hatte auf der Messe, war schlicht, weil es auch viele Angebote im Hier und Jetzt gab, die man nutzen konnte. Ich war halt original der, der zu einem Stand von ahead, Barebells oder sonst was hingelaufen ist, und sich einfach durch sämtliche Samples dort probiert hat. Immer mit dem Ziel, irgendwo was richtig geiles zu entdecken, was ich vorher noch nicht kannte. Und teilweise ist mir das auch gelungen!

Der neue Dailybar von Neosupps zum Beispiel, fand ich richtig geil. Oder das Matcha Protein auf Eibasis von MST Nutrition. Auch fett. Und abseits der Snacks und Supplements gab es dann auch richtig coole Sachen zu entdecken. Beispielsweise bei den Geräteherstellern etc. 

Also ich bin davon überzeugt, dass die Leute, die die Messe auf diese Art erlebt haben, mit einem erheblich besseren Gefühl da rausgegangen und auch mehr Gegenwert für ihr Geld bekommen haben. Die haben jetzt vielleicht nicht so viele Goodies abgestaubt, wissen aber jetzt möglicherweise, welche Marke ihnen gut gefällt und wo sie ihre nächste Bestätigung tätigen sollten. 

Und genau das ist für mich auch der Sinn von zumindest den beiden Consumer Days am Samstag und Sonntag, was die Aussteller befeuern sollten. Also den Kunden die Möglichkeit zu geben, neue Marken kennenzulernen, sich vielleicht ein bisschen mit den Herstellern zu unterhalten und eben coole Dinge erleben. 

Der Haken an der Sache ist aber, dass die FIBO wenig dazu beiträgt, dass ihre Messe auch in Zukunft sowas hergibt. Die gestiegenen Preise für die Besucher sind das eine, aber das hört da natürlich nicht auf.

Alex: „Jetzt machst du da richtig Halligalli, machst ne große Show und was auch immer, dann bist du garantiert ein Viertelmillionen aufwärts hoch. Los. Minimum! Und hast faktisch gesehen, null Return.

Du hast dein Ego beweihräuchert, du hast gezeigt, was für ein toller Hecht du bist, ein paar Bildchen geknipst, aber im Endeffekt sagst du: „Gut, jetzt habe ich ja für 500.000 € kurz den Leuten gezeigt, dass ich Geld habe, dass ich eine tolle Firma habe, aber faktisch gesehen bin ich trotzdem der Idiot, der eine halbe Million für nichts gezahlt hat.“

Es ist also als Marke unfassbar teuer auf die FIBO zu gehen und wenn man keine Brand ist, die nicht eh schon bekannt ist und deswegen auch besondere Konditionen bekommt wie ein Markus Rühl das sicherlich bekommen hat, dann gehst du da als Marke einfach unter, zahlst aber trotzdem deine Tausende von Euro dafür. Die ganzen Marken, die jetzt schon nicht mehr da sind, sind Beweis genug, dass diese Erkenntnis bei immer mehr Ausstellern angekommen sind.

Alex: „War die Hut Group da? Nee, ne?“

Michi: „Ich hatte gesehen, dass die einen Stand gebucht hatten, aber der war auf einmal nicht mehr da. Auch Universal mit der Animal Line war nicht da zum Beispiel, normalerweise immer unterwegs. Optimum Nutrition, BSN, ein XXL Nutrition aus Holland war früher immer auf der FIBO, aber mit Riesenalarm. Ein Prozis war da mit Riesenalarm, ein Body and Fit Shop aus Holland war mit Riesenalarm da. Also man sieht ja schon so ein bisschen, wie sich das verändert. Ein Zec+ damals, doppelstöckige Stände mit allem Zip und Zap.“

Alex: „Es ist so competitive, dass es eigentlich so ist: Solange du es nicht geschafft hast, macht die FIBO keinen Sinn. Das heißt, solange du nicht selbst schon harten Traffic aufgebaut hast, ist das reines Geld verbrannt. Deswegen wundere ich mich immer, dass so viele Menschen da noch hinpilgern, nimm das Geld, schmeiß es in Meta.“

Es gäbe verschiedene Ansätze dem entgegenzuwirken, aber faktisch gesehen wird es als B2C Brand von Jahr zu Jahr zunehmend unattraktiver auf die Messe zu gehen. Der Stand wird teurer, die Messebesucher gieriger und dein Return on Investment kleiner.

So zumindest die Haltung im neuen Supp Entwickler Talk, den ihr euch jetzt in voller Länge auf Spotify und Apple Podcasts geben könnt.

Und deshalb sollte sich die FIBO jetzt nicht von ihren steigenden Besucherzahlen blenden lassen, sondern wirklich was unternehmen, um den unschönen Seiten der ihrer Messe entgegenzuwirken. Weil so, wie die Messe aktuell betrieben wird, ist das alles andere als nachhaltig und wir alle steuern sehenden Auges darauf zu!

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