Die Albträume der Supplement Welt, die uns Innovation und Neuheiten kosten

Datum: 08.09.2026

Traumjob Produktentwickler! Oder vielleicht doch nicht? 🤔

Dieses Video soll Einblicke in die Bereiche der Arbeit eines Produktentwicklers geben, die für Probleme sorgen und einen nachts nicht schlafen. Dafür zu Gast sind Michi Bovelet von Bodylab24 sowie Alexander Friedrich aka Alexikon von H.P.N Nutrition.

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Transkript:

Michi: „Beim veganen Protein haben wir über zehn Schleifen gedreht.“

Alex: „Viele Produkte kann ich nicht machen, weil sie einfach zu teuer sind.“

Michi: „Wir haben wahnsinnig viel Zeit und Emotionen reingepackt … und das finde ich echt schade und kotzt mich auch richtig an.“

Ein Supplement zu entwickeln klingt erstmal relativ einfach: Rezeptur festlegen, zum Lohnhersteller gehen, produzieren lassen, verkaufen, fertig!

In der Praxis ist es aber weitaus komplexer und viele Produkte scheitern schon lange bevor sie überhaupt im Verkauf landen. Die Gründe dafür sind vielfältig und dieses Video soll dir einen Einblick in die Themen verschaffen, die die Produktentwickler nachts nicht schlafen lassen.

Die Ausschnitte, die ihr in diesem Video zu sehen bekommt, die stammen aus der neusten Folge des Supp Entwickler Talks. Und auf meine Frage, was denn für Alex und Michi die schwierigste Produktentwicklung gewesen sei, meinte Michi folgendes:

Michi: „Das Produkt, wo wir am meisten Runden gedreht haben, ist das vegane Protein.

Und meine Hauptproblematik war wirklich, wie schaffe ich ein gutes Aroma bei einem veganen Protein und wie kann dieses Aroma am Ende einen Zusammenschluss aus unterschiedlichen pflanzlichen Stoffen so übertünchen, dass man wirklich das Gefühl hat, man beißt nicht in eine Graskante rein, in einen Acker rein, in einen Ackerboden rein. Wie bei Weinen wird ja auch immer schön gesagt, oder bei Whisky, der ist schön torfig, der hat dies und jenes.

Also wir hatten bei Bodylab vor acht Jahren ein so schlimmes veganes Protein, dass ich wirklich gesagt habe, ich kann es wirklich nicht mit gutem Gewissen trinken, aber da waren wir auch noch alle noch nicht so weit.

Und dann kamen natürlich viele Firmen auf mit ihrer veganen Richtung, ein Rocka zum Beispiel. Und wir haben halt irgendwann auch mal gesagt, was können wir machen? Und wir sind bei Bodylab sonst echt extrem easy, was Produkte angeht. Wo man auch mal Kompromisse eingeht, wo man wirklich mal guckt: „Ach komm, lassen wir mal 5er-Grade sein, wir kriegen das schon irgendwie hin. Aber beim veganen Protein mussten wir über 10 Schleifen drehen.

Wenn ihr schon mal ein richtig schlechtes veganes Protein getrunken habt, dann wisst ihr auf jeden Fall, wovon Michi spricht. Gerade bei solchen Produkten zählt der Geschmack zu den größten Herausforderungen, ist am Ende aber auch sehr entscheidend für den Erfolg eines Produkts, weil Produkte mit schlechtem Geschmack werden selten ein zweites Mal gekauft.

Aber Geschmack alleine ist natürlich nicht die einzige Hürde und die wahrscheinlich universell Größte ist und bleibt der Preis.

Alex: „Also ich hab viele Produkte, die ich nicht machen kann, weil sie einfach zu teuer sind. Und das ist auch der Grund, wieso es tatsächlich oft so viele Produktrevisionen bei uns gibt. 

Als Beispiel, ich bestelle große Chargen, weil dann sinkt ja aufgrund von Economics of Scale automatisch mein Einkaufspreis und dann habe ich wieder ein bisschen Luft, mit der ich wieder ein bisschen rumfummeln kann. Und dann kann ich auch sagen, okay, ich kann jetzt vielleicht doch noch ein Upgrade machen. 

Mein Ziel ist es immer, ich muss der Beste sein, ansonsten gebe ich es nicht frei. Aber man könnte jetzt auch fies sagen, die Frage ist, wie hoch springst du beim Olympischen Gold? So hoch wie du kannst oder so hoch wie du musst? Und ich mache eigentlich immer so hoch wie ich kann, aber ich werde dann gebremst durch den Preis.

Und genau das übersehen viele.

Ein gutes Produkt ist nicht einfach nur die Summe aus den meisten hochwertigen Zutaten. Stattdessen muss ein gutes Produkt immer den besten Kompromiss finden zwischen Qualität auf der einen und Preis auf der anderen Seite. Und zwar den Preis, den wir Kunden am Ende auch dafür bezahlen wollen und das vor dem Verkauf korrekt auszuloten ist manchmal gar nicht so einfach.

Aber auch dann gibt es natürlich zahlreiche weitere Aspekte, die bei so einer Entwicklung berücksichtigt werden müssen.

Michi: „Dann bekommen wir Muster, das ist der nächste Schritt, wo was passieren kann. Dann wird eine finale Spezifikation fertiggestellt. Da kommt bei uns nochmal das Quality Management mit rein – das ist bei Bodylab übrigens auch nur eine Person und kein Team von 10-20 Leuten – mit der wir das am Ende verhackstücken. 

Diese Person schaut dann, ob wir das so machen können. Einfach damit wir keine Probleme mit irgendwelchen Ämtern bekommen. Das muss ja auch alles abgeklärt werden.

Das erste Beispiel, was mir da immer in den Sinn kommt, war dieses Verbot von isoliertem L-Theanin in Boostern. Das war bis vor ein paar Jahren noch absoluter Standard, aber dann kam ein neues Gesetz und plötzlich waren diese Booster dann alle auf einmal illegal und mussten überarbeitet werden.

Und solche Gesetze gibt es halt zu Hauf und man muss als Entwickler nicht nur wissen, ob man einen gewissen Rohstoff verwenden darf, sondern auch wie viel davon erlaubt ist.

Aber Rohstoffe sind ein gutes Stichwort, denn ganz häufig liegen nicht einfach friedlich nebeneinander in einer Kapsel oder einem Pulver ohne sich gegenseitig zu beeinflussen. Manche ziehen Wasser, manche oxidieren und manche reagieren mit anderen Bestandteilen.

Alex: „Wir haben jetzt auch ein Produkt, wo beispielsweise eine öligere Version von Astaxanthin drin ist. Du kannst Astaxanthin natürlich auch gepulvert kriegen, mikroverkapselt mit allem, drum und dran, aber das ist eben nicht dasselbe.

Das eine Astaxanthin ist deswegen nicht unbedingt schlechter als das andere, aber es gibt da riesengroße Unterschiede. Und Astaxanthin ist beispielsweise ein Rohstoff, der ist da richtig scheiße. Also Astaxantin kippt garantiert. Also wenn du ein Produkt mit Astaxanthin hast und du kriegst es 12 Monaten nicht abverkauft, vergiss es! Das Ding kannst du komplett in die Tonne hauen. Komplett.

Es gibt halt so volatile Stoffe, die sind nervig. Und dann musst du auch immer bedenken, was reagiert mit was?

Alex: „Auch vielleicht relativ interessant für Leute da draußen. Wenn du so ein Cyanocobalamin hast, was synthetisch ist, dann kann nichts reagieren. Da passiert nichts, gar nichts. Wenn du aber ein Methylcobalamin hast, kann da gut was passieren. Deswegen ist auch im MultiCore so viel extra Kram drin, damit das stabil bleibt. 

Die Dinge gehen dann nicht kaputt, aber trotzdem willst du ja die ursprüngliche Form beibehalten, weil die beispielsweise besser für die Bio-Verfügbarkeit sind und sonst irgendwas. Und da fängt dann das Rabbit Hole an.

Spätestens hier wird die Produktentwicklung dann richtig kompliziert. Ist man hier unsauber, dann merken wir als Kunde beispielsweise, dass ein Pulver schnell hart geworden ist oder sich die Farbe verändert hat.

Beides nicht schön und sicherlich auch wieder was, was uns von einem erneuten Kauf abhält.

Produktentwicklung ist aber nicht nur technisch anspruchsvoll, sondern oft auch emotional. Also beispielsweise, wenn man ein Produkt selbst sehr geliebt hat, es aber dann doch nicht so funktioniert wie man sich das erhofft hatte. Und da hatten wir ja jüngst mit dem Prime Bar ein sehr gutes Beispiel.

Michi: „Das einzige, was ich mir gewünscht hätte, wäre, dass wir mit dem Prime Riegel hätten weitergehen können, aber da hat uns das Rohstoffthema den Strich durch die Rechnung gemacht. 

Weil das war so ein Projekt, wo ich gesagt habe, dass wir damit mal die große Marke mit den drei Buchstaben kopieren können, indem wir von diesem Riegel einfach mal 20 verschiedene Versionen machen. Wir hatten sogar schon 10 definiert, aber die konnten wir jetzt nicht machen. 

Ich glaube, das wäre mit Abstand eines der besten Produkte von Bodylab geworden, was auf der einen Seite Kundenzufriedenheit angeht, aber auch Drehzahl und Umsatz. Und Drehzahl und Umsatz ist ja für eine Firma immer gut, weil dadurch hast du wieder ein neues Geld, was du neu investieren kannst. 

Also das ist wirklich eine Sache, die mich ein bisschen ergriffen hat. Wir haben wahnsinnig viel Zeit investiert, wahnsinnig viele Runden gedreht, wahnsinnig viele Emotionen reingepackt, immer wieder probiert, immer wieder auf Instagram gezeigt, Leute mitgenommen… Und dass das dann nicht geklappt hat, finde ich echt schade. Das kotzt mich auch richtig an.“

Wir hatten ja jetzt zwar zuletzt doch zwei neue Versionen vom Prime Bar, die trotz der gestiegenen Rohstoffkosten in den Shop gekommen sind und auch wieder entsprechend geil, wenn auch etwas teurer ausfallen, aber die sollen genau aus dem Grund auch erstmal ne Ausnahme bleiben. Es gibt zwar Pläne, den Prime Bar zum Ende des Jahres mit einem neuen Lohnhersteller nochmal etwas günstiger nachzubauen, wie das allerdings am Ende ausgehen wird, teile ich euch dann mit, wenn mir die Riegel dann irgendwann auch vorliegen.

Produktentwicklung bleibt damit natürlich trotzdem etwas schönes und bestimmt auch sehr erfüllendes, aber dieser ganze Rattenschwanz, der da noch hinten dran hängt, den darf man eben auch nicht unterschlagen dabei! Am Ende ist es eben auch ein ganz normaler Job mit schönen und weniger schönen Aspekten.

Aber mal angenommen, all diese Hürden würden nicht existieren, was würdet ihr dann entwickeln wollen, wenn Geld, Gesetze und Rohstoffe keine Rolle spielen würden? Ich würde mir zum Beispiel ein Supplement wünschen, dass Koffein im Blut neutralisieren bzw. abbauen kann. Einfach damit man auch abends vor dem Training noch Koffein trinken kann, aber danach trotzdem gut schläft. 

Das wäre so meine Idee, aber wenn ihr da auch Einfälle habt, dann lasst die gerne mal hören bzw. lesen! Das könnte eine extrem spannende Kommentarsektion werden.

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